Als ich in meinem letztjährigen Oster-Letter blätterte – dem ersten Impulsletter innerhalb der Coronazeit – wurde ich einen Moment still, hielt inne. Was ist seither geschehen!
Auf einen Schlag – verursacht von einem fortpflanzungswütigen Winzling der Existenz – hielt die Uhr der Welt an. Nahezu nichts ging mehr seinen gewohnten Rythmus, seinen gewohnten Gang, seine gewohnten Abläufe.
Dabei war und ist der Mensch durchaus gewillt, altbekannte Gewohnheiten zu verändern, welche bis dato für das gewünschte Neue im Weg standen.
Dann war es da – für die gesamte Menschheit – der plötzliche Ausstieg aus dem Hamsterrad des Alltags. Dieser mag gewöhnlich in jedem Land, auf jedem Kontinent, in jeder Kultur anders aussehen. Aber es änderte sich für das gesamte Kollektiv der Menschheit letztendlich ALLES.

OFFEN & MUTIG FÜR NEUES

Für die meisten war es anfangs ein vorübergehendes Abenteuer, welches nun live im Leben und nicht auf der Filmleinwand stattfindet. Dann würde schon alles wieder seinen gewohnten Gang gehen.
Und wieder sind wir bei den Gewohnheiten, welche doch so einige als lästig empfinden, weil diese so hartnäckig und hinderlich wirken. Coaches, Berater und Therapeuten füllen bekanntlich mit dem Thema ‚Unterstützung in Phasen der Gewohnheits-Veränderung‘ ihre Terminkalender und Honorarkassen.
Jetzt gab’s alles umsonst!
Die Herausforderung(en), die nötige Zeit (welche aktuell noch anhält) und das unterstützende Umfeld. Dieses in Form von Homeoffice, Online- statt Präsenz-Meetingräume, virtuelles Shopping und gähnende Leere in den Einkaufs- und Kneipen-Landschaften der Stadt … etc. Nichts los downtown. What’s going on?

KRISEN-OHNMACHT

Und wie es bei Gewohnheits-Veränderungen so ist, gibt es Krisen. Doch anders als in persönlichen Krisen, in welchen das Umfeld und liebe Mitmenschen noch gewohnt (!) intakt Hilfestellung leisten können, hinterlässt die globale Krise erstmal ein Gefühl der (Handlungs)Ohnmacht.
Das anfängliche Vertrauen, dass bald alles gut wird (z.B. im recht ’normalen‘ Sommer 2020), schwindet zunehmend. Die folgend gesellschaftsaufrüttelnden Ängste

  • Angst vor Krankheit & Tod
  • Angst vor Armut
  • Angst vor Diktatur

spalten die Gemüter und Herzen der Menschen immer offensiver. Berührung ist in weiterer Ausdehnung (sprich mehr als innerhalb der zugelassenen Gruppierungen im eigenen Haushalt) unmöglich, da aus gesundheitlicher Rücksichtnahme nicht empfohlen, letztendlich per Anordnung verboten. Somit kann die wichtige Eigenschaft von Mitfühlen und Versöhnen oftmals nicht mehr einfühlsam  ge- und erlebt werden.
Sukzessive erstarrt in der unreflektierten Sichtweise, wird die eigene Perspektive als das einzig Wahre betrachtet. Der andere verirrt sich ja offensichtlich in Theorien von Verschwörung und Fake News…

DAS LEBEN IST LEBENSGEFÄHRLICH

Das Zitat meines vor wenigen Jahren verstorbenen Karate-Senseis umschreibt treffend das derzeitige Weltgeschehen, welches uns in der nunmehr 3. Welle sprichwörtlich in Atem hält. Und für diese Atem-Not ist nicht der Virus schuld … nicht ausschliesslich.
Nun taucht die eigentliche Angst auf, welche letztendlich zum Leid verstärkend beiträgt:
Die Angst vor Veränderung.
Selbst wenn Bewährtes nicht guttut … man ist es gewohnt (!) und mit bekannten Schmerzen kann man leben. Doch erlebt man nicht die Schmerzen als unerträglich, sondern statt dessen das Leid des (unbewussten) Festhaltens an eigenen vertrauten Gewohnheiten. Dies geschieht eher aus einem inneren Instinkt, denn einer achtsamen Handlung. Doch gerade hierin unterscheiden wir uns von urnatürlichen animalischen Verhaltensmustern – dem menschlichen BEWUSSTSEIN. Durch unsere entwickelten kognitiven Fähigkeiten können wir uns unsere Ängste, unser Denken sowie unsere Handlungen stets bewusst machen.

WANDEL BEDEUTET LEBEN

Vielerorts beobachte ich seit genau einem Jahr, wer zu den wirklichen Helden dieser herausfordernden Zeit gehört. Neben den systemrelevanten Gewinnern sind es vor allem jene Menschen, welche das Prinzip der Metamorphose ‚verstehen‘.
Radikale Annahme, Hingabe in den Prozess und Vertrauen in die Zyklen des Lebens sind Kraftquellen, welche Berge versetzen oder Schleusen öffnen können. Kreative Lösungsorientierung hilft zusätzlich, mögliche Hürden unbeirrt zu meistern.
Gemäß meinen für dieses Jahr analysierten Zeitqualitäten (aus den Traditionen der Elemente- und Harmonielehren) gibt es lediglich zwei Element-Kräfte, welche uns 2021 unterstützen und stärken. Doch jene haben eine Besonderheit im Duett. Es geht letztendlich um die wahre Lebensfreude, die (Selbst)Wertschätzung, Sichbarkeit sowie die kreative Selbst-Verwirklichung in der authentischen, wahrhaftigen Ausdrucksweise.

DIE WAHREN MASKEN DÜRFEN FALLEN

Wenn dieser kleine Kronen-Virus uns eines lehrt, dann ist es das Erkennen des Irrsinns der Spaltung. Wenn wir entdecken, dass Leben sich im Facettenreichtum seiner Natur ausdrückt
… wenn wir erkennen, dass wir diese Krise nur als Menschheits-Gemeinschaft, manche nennen es Menschheits-Familie, lösen können
… wenn wir hierin die Möglichkeit erkennen, dass uns das Entscheidendste eint
… wenn wir in der Unterschiedlichkeit paradoxerweise das Verbindende nutzen und stärken
… wenn wir mutig sind, authentisch und echt zu sein
… wenn wir die einzige Sicherheit in uns selbst entdecken und somit die Toleranz für das Anders-Audrückende in uns stärken

… dann kann das Wunder-volle erlebt werden.
Dann fallen die wirklichen Masken – unabhängig vom vielerorts noch notwendigen FFP2-Schutz, welche nur das Lächeln der Augen zulässt. Doch jene können wahrhaftig strahlen, wenn wir unser Gegenüber als jemanden betrachten, der genau wie man selbst einfach nur glücklich und wertschätzend das Leben leben möchte.

Es klingt fantastisch in der Einfachheit der Worte … leicht wird es nicht. Viele steinige aber auch blühende Wege stehen uns allen noch bevor.

DIE VISION IST LAMPE DEINES PFADES

Irgendwann einmal hatte ein Mensch die Vision des Fliegens. Zum damaligen Zeitpunkt eine Idee der Un-Möglichkeit. Wir wissen es heute besser.
Auch die kleine Raupe, auf zahlreichen Füßchen den Pflanzenstengel umklammernd, kann sich die Leichtigkeit des Flatterns von Blume zu Blume nicht wirklich vorstellen. Wir wissen jedoch, was innerhalb der Metamorphose geschieht.
Wenn wir unserer inneren Vision vertrauen lernen, kann diese uns den Weg leuchten, auch wenn dieser durch unbekanntes, unbetretenes Terrain führt. Wie eine Lampe erhellt sie den nächsten Schritt ins Unbekannte … i
n das Wagnis, welches dunkel und nebulös vor einem liegend, das Herz spürbar bis zum Hals pochen lässt. Gleichwohl kann, Schritt für Schritt Neuland betretend, die innere Sicherheit mehr und mehr gefühlt sowie nachhaltig mental-emotional verankert werden. Ohne Hingabe & Vertrauen gäbe es keine Visionäre und Pioniere, was wir letztendlich in dieser Phase selber sind…

OSTERRUHE

Nutze die Feiertage als persönliche Osterruhe für DICH. Nutze sie, um dir in der Reflexion all der letzten Monate bewusst zu machen, was dich stärkt, was du (er)leben, was du mitunter neu zum entfalten bringen möchtest.
Die Zeitqualität der Selbstwertschätzung, der Anerkennung sowie dem Genießen im ganz individuell-kreativen Ausdruck geben dir Rückendeckung und Orientierung zugleich.
Manch eine*r entdeckt neben den süßen Schokoladenhasen mitunter das ‚Ei des Kolumbus‘
.

Wenn der Sturm der Veränderung weht,
bauen die einen Mauern
und die anderen Windmühlen.

(aus China)