Soeben komme ich von meinem herrlich schönen Spaziergang zurück – vom Gefühl her glich es eher einem Spaziertanz mit dem Ohrwurm „… I’m singing in the rain …“ durch die Regentropfen tänzelnd, über Pfützen springend … ach, what a feeling!
Gestern noch … undenkbar. Doch der Reihe nach …

Es hatte mich doch wahrlich erwischt, obgleich ich so achtsam und vorsorgend agierte – der Corona-Blues. Erst schlich er sich zwischen meine Gedanken, dann schwermütig ins Herz als auch in den hin und wieder grummelnden Bauch.

ZUGVOGEL IM GOLDENEN KÄFIG

Seit einer gefühlten Unendlichkeit saß ich in meinem Heimat-Nest. Ich – ein geborener Zugvogel seit ich denken kann. Meiner Raumpsychologie folgend, optimierte ich die Energien zuhause, verschönerte alle Farben, Formen, Materialien, holte jedes Staubkorn aus den Ecken, jede Spinnwebe von der Decke, jegliches Gerümpel durfte fließen.

Die Heimat wurde erobert. Wanderungen zu Fuß oder auf dem E-Ross ließen uns geheime Winkel und noch unbekannte Orte entdecken. Der See ist seit 360 Tagen jeden morgen unser Immunsystem-Booster. Eisbaden … Wonneschwimmen – je nach Temperatur.
Jeder Vollmond wurde zelebriert, jeder Neumond begrüßt – hieß es doch stets, sich dem Zauber des Anfangs hinzugeben.

Dann schlug das ‚Wetter der Gefühle‘ um, die Emotionen drehten sich im Salto mortale, inneres Chaos statt klarer Struktur, Disbalance statt Gleichgewicht.
Was war, was ist geschehen? Nichts und gleichwohl unbeschreiblich viel.

Ein Zugvogel kennt seine Gezeiten, die Sehnsüchte melden sich im vorhinein spürbar. Die Vorfreude gleich mit.
Die Pandemie ließ jedoch auf unabsehbare Zeit den Vorhang zu, die Aussichten wurden in dichten Nebel gepackt. Gestern war der Höhepunkt … sozusagen die letzte aufbäumende Wehe. Die Sonne schien, der Wind strich durch mein Haar … mein Herz blieb schwer. Ich gab alles, wirklich alles her. Ließ los.

UND DAS WUNDER KAM ÜBER NACHT

Ich erwachte mit dem ersten Kitzeln der frühen Sonnenstrahlen durch’s Fenster und merkte, es ist anders … spürbar. Meine Meditation war ruhig und tief … seit langem wieder. Ich atmete Freude ein und Dankbarkeit aus.
Nach dem allmorgendlichen Bad im See, dem anschliessenden italian coffee @ home hielt mich nichts mehr (auf).  Mit Regenschirm, Trenchcoat und einem noch vorsichtig wahrnehmenden Schmetterlingsfeeling im Bauch – it’s real? – trotzte ich Wind und Tropfen. Und jeder Schritt lief mit einer inneren Sehnsucht nahezu um die Wette … am Seeufer entlang über die Brücke gen Altstadt.

Heute war es Neu-Stadt. Alles war anders, strahlte heller trotz wolkenverhangenem Grau des Himmel. Überall herrschte reges Treiben hinter den Scheiben der Geschäfte. Sie putzten sich raus für die guten Aussichten, bald jenes heißbegehrtes Schild wieder an die Ladentür hängen zu können …

IT’S OPEN – COME IN  •  BEREIT ?

Ich bin bereit. Egal wieviel Zeit es noch im wirklichen Geschehen benötigt. Wir wissen ja um die Tatsache, dass das innere Feeling letztendlich alles entscheidet. Und ich habe es wieder … dieses Feeling der Lebensfreude, ich höre die Vögel wieder intensiver – empfinde es gar als Konzert ganz für mich. Meine geliebten Eichhörnchen laufen mir entgegen, statt schnell schnell auf den nächsten Baum.

Ich habe mich dieser Ohnmacht, dieser Angst vor dem Tieftauchen ins dunkle Nichts hingegeben und letztendlich vertraut. Ja … diese Eigenschaft betrachte ich nun nochmal mehr als Geschenk. Vertrauen in das Leben. Es macht die Schleusen auf – im wahrsten Sinne des Wortes!

POWER DES PHÖNIX

Von Poeten mit Worten besungen, in Kalendersprüchen in allen Nuancen festgehalten, in Schicksalsromanen fesselnd zum Mitfühlen beschrieben, können wir es immer wieder hautnah erleben. Die Kraft ist besonders, wenn wir einem Phönix gleich aus der Asche emporsteigen, die Flügel ausbreiten und alles nochmals aus der Vogelperspektive reflektieren. Es hat uns wieder lebendig gemacht und weit darüber hinaus.

Neugeburt – Neuland … lieber Mai, wie schön, dass du hälst, was du jedes Jahr versprichst !

Alles neu macht der Mai
macht die Seele frisch und frei,
kommt heraus, lasst das Haus,
windet einen Strauß!
Rings erglänze Sonnenschein,
duftend prangen Flur und Hain,
Vogelsang, Hörnerklang
tönt den Wald entlang.

(Hermann Adam von Kamp)